Ada Badey - Literatur -
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Premierenlesung
17. September 2026, 19 Uhr
Literaturhaus Köln
Mit nichts auf der Zunge-
Eine literarische Stimme aus der Working-Class
Mit nichts auf der Zunge NEU
Ada Badey ist Autorin, Schauspielerin und Trauerrednerin. Für den Roman "Strom auf der Tapete" erhielt sie den Peter-Härtling-Preis. Im Februar 2025 erschien ihr Roman "Gossenwalzer". Die Entscheidung für ihr Romanprojekt "Mit nichts auf der Zunge" begründet die Dieter-Wellershoff-Jury folgendermaßen:
"Ada Badey gelingt eine in hohem Maße glaubwürdige und nachvollziehbare Darstellung kindlichen Erlebens. Eine unvoreingenommene Wahrnehmung und kindliche Fantasie mischen sich mit poetischen Passagen, lakonischen Detailbeschreibungen und gekonnt eingesetzter Sprache. Dies wird kunstvoll mit der Erzählung der erwachsenen Protagonistin TONI BRONSKI verwoben, die erst im Rückblick erkennt, dass sie in einem dysfunktionalen Elternhaus aufgewachsen ist. In den Kinderaugen erscheinen die teils abenteuerlichen Eskapaden ihres Vaters, der als Bilderfälscher in Afrika lebt, keineswegs als Gefährdung des Kindeswohls, sondern sogar zugewandt oder auch faszinierend. Eine besondere Spannung entsteht durch die Darstellung des Vaters, der sich vollkommen egozentrisch verhält, doch gleichzeitig ein durch und durch entwurzelter Mensch ist. Es ist eben diese fein gezeichnete Ambivalenz, die die raffiniert komponierte Geschichte mit ihren wechselnden Erzählperspektiven und Zeitebenen auszeichnet."

Strom auf der Tapete, ein Jugendroman ausgezeichnet mit dem Peter Härtling Preis! Das war mal ein Anfang.
Peter Härtling Preis für meinen ersten Roman:
Strom auf der Tapete
»Ein ungewöhnliches Buch, packend, sperrig und eindringlich zugleich.«
Heide Germann, Darmstädter Echo
Ron Robert Ranke hat keinen Plan, aber ein altes Foto aus der Küchenschublade, das ihm helfen soll, seinen Vater zu suchen. Seine Mitschülerin Clara ist geheimnisvoll, schweigsam und sitzt seit einem Jahr im Rollstuhl. Ron Robert lebt in einer Hochhaussiedlung am Rand von Frankfurt/Oder, Clara kommt aus einer wohlhabenden Familie. Was sie zusammenbringt, ist ein geliehenes weißes Cabriolet, mit dem sie an Ron Roberts 15. Geburtstag zur Wahl der Oderbruchkönigin in ein gottverlassenes Dorf an der polnischen Grenze fahren.
Die Autorinnen Claudia Kühn und Ada Badey schildern eine Reise ans Ende der Welt, das in diesem Roman im Oderbruch liegt. Stilsicher, witzig und zugleich mit großem Ernst lotsen sie ihre Figuren durch die kleinen und großen Katastrophen dieses Roadmovies, durch Beinahe-Unfälle und Prügeleien mit angejahrten Dorf-Casanovas, durch Exzesse und Momente der Stille.
Kann das gut gehen? »Hier sitzen wir beide, da sind unsere Hände, übereinander«, sagt Ron Robert, der Erzähler, einmal in einer Atempause: »Und draußen, die Schneeflocken, die Straße, die Nacht. Da draußen ist die Welt, die andere. Unsere Welt ist hier.« Es geht gut, in jeder Hinsicht, in diesem rasanten, gegenwartstrunkenen und überraschend zärtlichen Jugendroman. www.beltz.de


Lesungen müssen nicht langweilig sein. Ich bin Lesekünstlerin, Sängerin und lasse euch meine Geschichte, meine Figuren miterleben...
Mit nichts auf der Zunge NEU
"Ich wache auf, und es ist stockdunkel im Raum, in dem Raum, den ich nicht kenne. Bram. Der See, die Vögel, das Boot? Ich versuche mich zu orientieren.
Der Trick ist, nicht daran zu denken. Überfall. Übelkeit, Schwitzattacke, Kribbeln unter der Haut, kratzig wie Teerpappe. Das Gefühl von Katzenkotze im Magen. Liebe. Krämpfe, Atem- und Sprachnotstand. Der Malawimond taucht auf, scheint mir ins Gesicht, verbrennt mir die Haut. Leise die Musik in meinem Kopf. Leise der Klang des Requiems.
Sprachkaskaden: Hast du Angst? Willst du lieber leben als sterben? So gut hast du noch nie ausgesehen. White Chief. Wenn du stirbst, werde ich deine Überreste auskotzen, sie bleiben nicht an mir kleben.
Aus dem Nichts ist es wieder vorbei. Man kann es sich nicht aussuchen.
Ich döse noch ein bisschen, und als es heller ist, begebe mich auf die Terrasse und hole tief Luft. Es liegt ein wenig Nebel über dem Wasser.
Ich stehe am See. Das Wasser schlägt gegen die Steine. Ich verliere mich kurz, verliere Kontrolle, halte mich an der Luft fest. Dann springe ich hinein, schwimme, verbinde mich mit meinen Freunden, den Buntbarschen, mit der Sonne und dem weichen Wasser. Ich schaue zum Haus. Das Auto ist nicht zu sehen. Bram ist unterwegs. Eine halbe Stunde bleibe ich im Wasser. Ich halte mein Gesicht in die Sonne. Dann freue ich mich auf die Dusche. Ein paar Minuten ist die Brause mein Freund. Dann kommt sie zurück. Die Nacht.
Meine Haut brennt. Langsam rutsche ich die Duschwand hinunter und bleibe sitzen. Unter der Brause. Außer dem immer noch rauschenden Wasser ist es ganz ruhig. Ich bin völlig erschöpft, zerlegt, nackt. Ich höre mich sprechen, als wäre ich jemand, den ich kenne.
»Stille!!! Hör zu, ich spreche mit dir! Ich will, dass du mir jetzt ganz genau zuhörst. Ich erzähle dir eine Geschichte! Ich will dir sagen, wie die Begegnung mit Bronski ablaufen wird. Und ich will, dass du dabei bist! Ich will es, damit du Ruhe gibst. Stille! Hör zu. Ich werde mich in sein Dorf begeben«, sage ich laut. »Ich werde mich vom Wasser aus nähern, werde mein Boot am Ufer festmachen. Brams Boot. Buntbarsche werden meine Beine streifen. Ich werde nach ihm fragen. Nach dem White Chief. Ich werde von einer Frau zu seinem Haus geführt. Das einzige Steinhaus in einem Dorf, das sonst nur aus Lehm und Wellblech besteht. Er wird aus seinem Haus treten, er wird rauchen. Wie immer. Er wird mich anstarren. Die Frau wird sich verabschieden, wir sind allein. Er wird sich am Türrahmen festhalten. Er wird auf mich zukommen wollen … mit diesem schiefen Lächeln, das ich immer mit Schuldbewusstsein verwechselt habe.«

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